Tacho nach Reifenwechsel anpassen
Der Tacho misst nicht die Geschwindigkeit, sondern die Drehzahl der Räder, und rechnet sie mit einem fest gespeicherten Abrollumfang in km/h um. Ein größerer Reifen legt pro Umdrehung mehr Weg zurück, der Tacho zeigt dann weniger an, als Sie fahren. Ob das zulässig bleibt, hängt von der Reserve ab, die der Hersteller eingebaut hat.
Grenzen nach ECE-R 39
Die UN-Regelung ECE-R 39 gilt für alle neu typgenehmigten Pkw in der EU und der Schweiz. Sie erlaubt nur eine Abweichung nach oben: Der Tacho darf nie weniger anzeigen als die echte Geschwindigkeit, und höchstens 10 % plus 4 km/h mehr.
0 ≤ Anzeige − echte Geschwindigkeit ≤ 0,1 × echte Geschwindigkeit + 4 km/h
Hersteller stellen den Tacho mit einer Voreilung von meist 2 bis 5 % ein. Die Reserve deckt Fertigungstoleranzen, warme Reifen mit etwas größerem Umfang und neue Reifen mit vollem Profil ab, die im Durchmesser rund 1 % größer sind als abgefahrene. Eine größere Reifengröße verbraucht diese Reserve. Die Tabelle zeigt die Anzeige eines Tachos mit 3 % Voreilung bei echten 100 und 130 km/h.
| Abrollumfang neu | Anzeige bei 100 km/h | Anzeige bei 130 km/h | Zulässig |
|---|---|---|---|
| −2 % | 105,1 | 136,6 | ja |
| 0 % (Serie) | 103,0 | 133,9 | ja |
| +1,5 % | 101,5 | 131,9 | ja |
| +3 % | 100,0 | 130,0 | Grenzfall |
| +4 % | 99,0 | 128,8 | nein |
Weil die Voreilung von Auto zu Auto schwankt, setzen Prüforganisationen die Grenze für Umrüstungen ohne Nachweis meist bei +1,5 % Abrollumfang. Kleinere Reifen sind beim Tacho unkritisch; der Tacho geht dann nur stärker vor.
Was sich außer dem Tacho ändert
- Kilometerzähler: Er zählt Radumdrehungen. Bei +3 % Abrollumfang zeigt er nach 10 000 echten Kilometern rund 9 700 km. Serviceintervalle und Leasing-Kilometer verschieben sich entsprechend.
- Blitzer: Gemessen wird die echte Geschwindigkeit. Abgezogen werden in Deutschland bis 100 km/h 3 km/h, darüber 3 %. Zeigt der Tacho weniger an als gefahren, ist der Puffer schneller aufgebraucht.
- Tempomat und Begrenzer: Sie regeln auf den Tachowert. Mit größeren Reifen fährt das Auto bei eingestellten 130 km/h tatsächlich etwas schneller.
- Navigationssystem und Verkehrszeichenerkennung: Sie nutzen GPS oder Kamera und bleiben richtig.
- Getriebe und Drehzahl: Bei größerem Umfang sinkt die Motordrehzahl bei gleicher Geschwindigkeit leicht, die Beschleunigung nimmt minimal ab.
Voreilung mit GPS messen
GPS berechnet die Geschwindigkeit aus der Positionsänderung zwischen zwei Messungen und hängt nicht von den Reifen ab. Bei gleichmäßiger Fahrt auf freier Strecke liegt die Genauigkeit bei etwa 1 km/h. Beim Beschleunigen, in Tunneln, zwischen hohen Gebäuden und unter Brücken springt der Wert.
- Navigationsgerät oder Handy-App mit GPS-Geschwindigkeit starten und warten, bis die Ortung stabil ist.
- Eine gerade, ebene Strecke ohne Verkehr wählen und den Tempomat auf Tachowert 100 km/h stellen.
- Nach 20 bis 30 Sekunden konstanter Fahrt die GPS-Anzeige ablesen. Dreimal wiederholen, auch in Gegenrichtung, und den Mittelwert bilden.
- Messung bei 50 und 130 km/h wiederholen.
- Voreilung berechnen:
(Tacho − GPS) ÷ GPS × 100. Tacho 100, GPS 97 ergibt 3,1 %.
Messen Sie einmal mit den alten und einmal mit den neuen Rädern bei ähnlichem Reifendruck. Die Differenz entspricht ungefähr der Abweichung im Abrollumfang, die der Reifenrechner ausgibt. Bleibt die neue Voreilung bei 1 % oder mehr, ist meist keine Angleichung nötig; liegt sie bei null oder darunter, muss der Tacho angepasst werden.
Tachoangleichung per Codierung
Seit etwa 2000 berechnen die meisten Autos die Geschwindigkeit aus den Signalen der ABS-Raddrehzahlsensoren und geben sie über den CAN-Bus weiter. Im Steuergerät des Kombiinstruments ist der Abrollumfang hinterlegt, oft in festen Stufen. Wird dieser Wert geändert, rechnet der Tacho mit dem neuen Umfang.
- VW, Audi, Seat, Škoda
- Anpassungskanal „Tachometerangleichung“ im Kombiinstrument mit festen Stufen von je etwa 1 bis 3 %; per Diagnosesoftware in der Werkstatt oder durch Fachbetriebe.
- BMW, Mini
- Reifenumfang als Wert in der Fahrzeugausstattung; Codierung über die Werkstatt. Neuere Modelle lernen Standardgrößen aus der Rad-Reifen-Liste.
- Mercedes-Benz
- Über die Werkstattdiagnose, gekoppelt an die freigegebenen Rad-Reifen-Kombinationen.
- Ford, Opel, Stellantis
- Reifengröße in der Fahrzeugkonfiguration hinterlegt; Änderung beim Händler, meist nur auf Größen aus dem COC.
Die Codierung darf den Tacho bei keiner Reifengröße unter die echte Geschwindigkeit bringen. Wer Sommer- und Winterräder mit verschiedenen Umfängen fährt, codiert auf den größeren Umfang. Nach der Änderung mit GPS nachmessen und die Angleichung von der Werkstatt schriftlich bestätigen lassen.
Eine Codierung kostet 50 bis 150 Euro. Sie gilt nicht als Manipulation des Kilometerstands, solange nur der Umfang angepasst wird. Liegt der neue Umfang außerhalb der einstellbaren Stufen, bleibt ein Adapter.
Tachoadapter nachrüsten
Ein Adapter sitzt zwischen Signalquelle und Instrument und rechnet das Signal mit einem festen Faktor um. Welche Bauart passt, hängt davon ab, wie das Auto die Geschwindigkeit an den Tacho übermittelt.
| Signal | Adapter | Typische Fahrzeuge | Kosten etwa |
|---|---|---|---|
| Tachowelle | mechanisches Zwischengetriebe mit fester Übersetzung | Oldtimer und Fahrzeuge bis etwa 1995 | 80–200 € |
| Impulsgeber | elektronischer Impulswandler, stufenlos einstellbar | Fahrzeuge mit Geschwindigkeitssensor am Getriebe, viele Transporter und Geländewagen | 100–250 € |
| CAN-Bus | CAN-Filter, der die Geschwindigkeitsbotschaft umrechnet | aktuelle Fahrzeuge ohne Codiermöglichkeit | 200–400 € |
Ein Impulswandler ändert nur die Anzeige im Instrument. ABS und ESP vergleichen die Raddrehzahlen untereinander und kommen mit gleichmäßig größeren Rädern zurecht. Für den Adapter brauchen Sie in Deutschland eine ABE oder ein Teilegutachten mit Abnahme; ohne Nachweis erlischt die Betriebserlaubnis. Häufig verwendet bei Geländewagen mit größeren All-Terrain-Reifen.
Wann die Prüfstelle eine Angleichung verlangt
Bei der Abnahme einer neuen Rad-Reifen-Kombination prüft der Sachverständige, ob die Anzeige die ECE-R 39 noch einhält. Grundlage ist eine Auflage im Felgengutachten oder eine Messung, meist auf dem Rollenprüfstand oder mit GPS-Messgerät.
- Das Gutachten schreibt eine Tachoangleichung vor oder verlangt einen Nachweis der Anzeige; typisch bei mehr als etwa +1,5 % Abrollumfang.
- Die Messung zeigt, dass der Tacho im Bereich von 40 bis 120 km/h unter die echte Geschwindigkeit fällt.
- Die neue Größe liegt außerhalb der Kombinationen, für die der Hersteller seinen Tacho ausgelegt hat.
In Österreich und der Schweiz gelten dieselben Grenzen; Landesprüfstelle und Strassenverkehrsamt genehmigen die Kombination nur mit korrekter Anzeige. Abhilfe ist entweder eine Reifengröße mit Umfang näher an der Serie, eine Codierung mit Bestätigung oder ein Adapter mit Gutachten. Den Ablauf der Abnahme beschreibt Andere Reifengröße eintragen.